Die Lehrzeit
Ich hatte Angst, dass ich niemals in Marburg ankommen würde, selbst der O-Bus in Marburg machte mir Angst und immer wieder musste ich mich durchfragen. Doch endlich gegen 16 Uhr bin ich in der Konditorei angekommen! Mir wurde ein Zimmer unter dem Dach zugewiesen und ich bekam meine Arbeitsuniform und Verpflegung für die ganze Woche: Margarine im Becher, vier gekochte Eier, eine Dose Hering in Tomatensoße, eine Schachtel Dreiecks-Käse, streichfähig, eine kleine Salami, ein Päckchen gekochten Schinken und ein Laib Brot, einen Blechteller, Messer, Tasse und Löffel. Das war die Ration fürs Abendessen. Heißes Wasser für die Teezubereitung und den Tee gab es jeweils abends nach Arbeitsschluss.
Ich merkte sofort, dass ich nicht im Paradies gelandet war. Am nächsten Tag durfte ich mich um 7 Uhr in der Backstube melden. „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“. Dieser schlaue Spruch würde mich nun bestimmt die nächsten drei Jahre begleiten, da war ich mir sicher. Für meine vierzehneinhalb Jahre durfte ich schon allerhand Aufgaben erledigen. Da auch eine Bäckerei an die Konditorei angeschlossen und kein Bäckerlehrling vorhanden war, wurden mir auch diese Arbeiten anvertraut. Das sah dann so aus: schon um 6 Uhr musste ich in der Bäckerei sein, um die Brötchen, abgepackt in Tüten, in einem Weidenkorb auf dem Rücken per Fahrrad in Marburg- Süd auszuteilen. Gegen 8 Uhr war ich zurück und in der Konditorei tätig. Um 10 Uhr bekam ich einen Tragekorb mit Henkel, gefüllt mit Backwaren vom Vortag. Dieses Mal ging die Reise gegenüber dem großen Amtsgebäude. Dort verkaufte ich die Vortags-Backwaren für weniger Geld als im Laden an die Büroangestellten. Dies dauerte eine Stunde und bis mittags durfte ich dann wieder in der Backstube arbeiten. Meine Kolleginnen und Kollegen waren sehr nett zu mir, denn ich war ja noch so jung und so weit von Zuhause weg. P/S, Das war ein Blick in mein Buch...
Hier gelangst du zum Buch:ISBN: 9783754976531
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